Geschichte des Melser Verrucano

GESCHICHTE
Die rötlich-violetten grobsandigen bis feinbrekziösen Sernifite (Verrucano) wurden bereits in der Jungsteinzeit oder Bronezeit als geeignet zur Produktion von Handmühlen erkannt. Aus dieser Zeit stammen die ältesten gefundenen Handmühlen aus Melser Gesteinen. Auf dem Castelshügel wurde ein runder Mühlstein mit einem Durchmesser von einem halben Meter aus der Römerzeit ausgegraben. Die Mühlesteine wurden für getreide-, Frucht-, Gips- Zement- und Glasurmühlen gergestellt.
Die Melser Gesteine bestehen aus harten Koponenten in einer weicheren Grundmasse. Dadurch können sie durch den Mahlvorgang kaum glatt geschliffen werden. Beim Mahlvorgang lösten sich kleine Teile der Grundmasse, die die harten Körner freilegten, die mit der Zeit abbrachen, wodurch das Gestein rau blieb. Für Kornmühlen muustten die Rillen regelmässig nachgespritzt werden.
Im 17. Jahrhundert waren die Mühlsteinhauer in Zünften organissiert. 1689/90 stellen die Acht Alten Orte (ohne Bern) Freiheitsbriefe für die Mühlsteinhauer-Gesellschaft aus.

PRODUKTION
1830-1850 wurden auf dem ganzen Castelserhügel Mühlsteine gebrochen. Der Stein wurde auf dem Fels mit einem Zirkel eingezeichnet und auf dieser Linie mit dem Zweispitz geschrotet und der fertige Mühlstein mit Eisenbissen vom Fels abgespalten. Beim letzten Vorgang ging jeder zweite Stein zu Bruch. Die Durchmesser der Mühlsteine waren zwischen 90-120 cm. Die Bodensteine für Getreidemühlen hatten eine Dicke von 40-60 cm, die Läufersteine 20-40cm. In den 1880/90 er Jahren kostete ein Mühlstein mit einem Meter Durchmesser und pro Zoll (ca. 3cm) Dicke 4 Mark (ca. 5 Franken). Ein Steinhauer verdiente im Tag 5 Franken, ein Steinsprenger 3 und ein Handlanger 2 Franken. Die Steinhauer kamen aus Italien, Sprenger und Handlanger waren Einheimische.

VERTRIEB
In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts- noch vor dem Bau der Eisenbahn- wurden die Melser Mühlsteine in Chur, Rheineck, Rorschach, Bregenz und Friedrichshafen vertrieben und bis nach Preusen und Ungarn exportiert.
Ende 19. Jahrhunderts wurden die meisten Melser Mühlsteine von Steinherren aus Deutschland im Steinbruch Runggalina ausgelesen, gekauft und von Deutschland bis nach Afrika exportiert. Für die Steinabnahme wurden jedes Mal je 15 Tonnen Mühlsteine, die in Zwei Eisenbahnwagen Platz fanden, gerüstet. Die Mühlsteine wurden nass gemacht und mit dem Hammer bepocht, um allfällige Fehler zu entdecken. Im März 1915 wurden die zwei letzten Wagen verkauft.